So fing alles an

 

Foto von P. Adalbert OSBDas war, als ich mich nach dem Theologiestudium auf das Staatsexamen fürs Lehramt in den Fächern Deutsch, Geschichte und Griechisch vorbereitete. In der Universitätsstadt erschien eine katholische Wochenzeitung, die jeweils auf der letzten Seite eine längere Erzählung, meist eine recht erbauliche, abzudrucken pflegte. Einige hatte ich gelesen, und so sagte ich mir eines Tages: So gut wie diese Geschichten ist deine eigentlich auch! und machte mich auf den Weg zur Redaktion, nicht zuletzt in der Hoffnung, mein karges Taschengeld etwas aufbessern zu können. Der Chefredakteur persönlich empfing mich, gab sich sehr liebenswürdig, legte meine fünf oder sechs Maschinenseiten auf seinen Manuskriptstapel und sagte: Sie hören bald von mir!

Ich hörte aber wochenlang nichts.

Später gestand er mir, meine Erzählung zunächst gar nicht gelesen zu haben. Sie rutschte in seinem Manuskriptstapel immer weiter nach unten. Irgendwann fischte er sie heraus, sie gefiel ihm und so erschien sie doch noch im Druck. Es handelte sich um die Geschichte von Klosterfrauen, die ihren Schuldenberg durch einen Volltreffer im Toto loswerden wollen. Ein Volltreffer wurde auch die Geschichte selbst: jedenfalls druckte die Zeitung in der nächsten Ausgabe über dreißig Leserzuschriften ab, durchwegs positive. Als bisher ungedruckter Autor freute ich mich riesig. Aber wie erblasste ich, als mir wenige Tage später der Chefredakteur eine Briefkarte des damaligen Pressebischofs, Albert von Mainz, überreichte. Eine Generaloberin hatte in einem langen Schreiben an den Bischof so heftig gegen meine "Verächtlichmachung des Ordensstandes" protestiert, dass es der Bischof für nötig hielt, die Zeitung zu ermahnen; "Bringt keine solche Sachen mehr!" Das war mit Maschine geschrieben, offensichtlich von seinem Sekretär. Ich war ehrlich erschüttert. Was hatte ich da nur angerichtet? Wie konnte ich das nur gutmachen?

Da drehte der Chefredakteur, verschmitzt lächelnd, die Karte um und zeigte mir, was der Bischof nachträglich in eigener Handschrift hinzugefügt hatte: "Habe eben die Geschichte selber gelesen. Bringt noch mehr solche Sachen!" An diese bischöfliche Mahnung haben wir uns, als gehorsame Söhne der Kirche, natürlich gehalten. Und so erschien die Geschichte einer Pilgerfahrt "Alle Wege führen nach Rom" bereits einige Wochen später, zunächst in wöchentlichen Raten, 1958 als mein erstes Buch.