Adalbert Seipolt über sich selbst

 

Foto von P. Adalbert OSBWer mitten in Schlesien, dem sprichwörtlichen Land der 666 Dichter das Licht der Welt erblickt, darf sich nicht wundern, wenn auch ihn die Muse küsst. Glücklicherweise erlaubte mir mein Vater, selber Journalist, schon sehr früh, auf seiner Schreibmaschine herumzuklopfen, und so wurden aus kindlichen Reimereien bald umfangreiche Geschichten über Eskimokinder, die ich selbst illustrierte und gegen eine Leihgebühr von 5 Pfennigen meinen Schulkameraden zur Lektüre anbot. Als ich schließlich zu Kasperlestücken und bluttriefenden Tragödien überging, schwoll mein Papierverschleiss so an, dass ich auch vor den eisernen Rationen des väterlichen Schreibtisches nicht haltmachte. Damals - es war mitten im Krieg und das Papier sehr knapp - wurde ich zu einem Martyrer der Poesie, als nämlich eines Abends mein Vater noch einen Artikel für die Zeitung schreiben wollte, kein leeres Blatt mehr fand und daraufhin meine Hinterfront mit eindrucksvoller Hand beschrieb.

Durch die Kriegsereignisse aus der Heimat vertrieben, lernte ich nacheinander den Volkssturm, die Landstraße und die Sachsen kennen, bis ich vom "Musspreußen" zum "Darfbayern" umsattelte und bei den Benediktinern in Metten meine neue Heimat fand.

Doch die Muse schlüpfte auch durch das Klausurgitter hindurch, sie lief mir sogar bis nach Rom nach, wo ich mein theologisches Studium abschloss. Unter der südlichen Sonne platzte die heitere Ader. Ich glaubte fast, es lag weniger am Wein - der war meistens sauer - als am Scirocco. Wenn der sein Unwesen trieb und sich die Mitbrüder schlaflos auf den Betten wälzten, hatte ich die nötige Ruhe und Pulsfrequenz, um muntere Geschichten zu schreiben. Unter einem solchen Wüstenhauch erblickte auch Schwester Annaberta das Licht der Welt, die Heldin meiner Bücher "Alle Wege führen nach Rom" und "Die römische Himmelfahrt". -

Der Theologie folgte das Fachstudium in Geschichte, Griechisch und Deutsch; seit 1961 wirke ich als Lehrer am Gymnasium der Benediktiner in Metten und als Erzieher im angeschlossenen Internat. Zum Geschichtenschreiben bleibt mir nur in den Ferien Zeit; doch reicht diese Zeit bisher noch immer aus. Kein Wunder, wenn man an die langen Ferien der Lehrer denkt, nicht wahr?

Was ich mit meinen Büchern will? - Den Lesern Freude schenken und zeigen, dass unsere Mutter Kirche den Frohsinn genau so braucht wie gefüllte Opferstöcke und zeitgemäße Reformen, vielleicht sogar noch mehr.