Johann Michael Sailer
Bischof von Regensburg
Kirchenvater Bayerns im 19. Jahrhundert


Bild von Bischof Sailer


  Unterschrift von Bischof Sailer "Das durchscheinende Geheimnis
seines inneren Lebens war
die stete Gegenwart Gottes."

Melchior von Diepenbrock

www.bischof-sailer.de


Ein bewegtes Leben - in Stichpunkten




Sailer nach seiner ungerechten Entlassung als Professor in Dillingen


Die beste Weisheit auf Erden

Tue recht und vertraue dabei auf Gott allein.
Gehe zu jedem Tag in die Schule, und lerne aus allem.
Trage mutig die Bürde des Tages, und hänge ohne Not kein Gewicht daran,
denn es hängt sich manches selber an.
Für vieles rechts und links sei taub, blind und stumm,
doch halte den Sinn frei und offen, um den geraden Weg durch die Welt zu finden.
Zuerst räume in dir selber auf, und dann lege außer dir Hand an, um reine Bahn zu machen.
Den Stein, der sich dir in den Weg legt, suche zu heben,
und wenn er sich nicht heben lässt, siehe zu, wie du hinüberkommst, ohne den Fuß anzustoßen.
Freue dich von Herzen mit, wo Freude Einkehr nimmt,
und wenn geweint werden muss, dann blicke hinter den Tränen zum Himmel durch.
Lass den Sturm draußen tosen, bis er ausgetost hat,
und lass ihn nicht herein.
Wandere gern in Gottes freier Natur, damit Körper und Geist frisch bleiben.
Halte im stillen Kämmerlein geheime Zwiesprache zwischen dir und dem einen, der ohne Zunge spricht, ohne Augen sieht, ohne Arm festhält und ohne Herz liebt.
Sei einfach mit den Einfältigen,
Klug mit den Vielseitigen. Sei offen mit den Guten, aber im Verkehr mit Füchsen sei vorsichtig.
Streue kein Körnchen Weihrauch den Großen; und lass auch von Großen und Kleinen keins für dich opfern.
Säe selbst keine Dornen, und achte nicht den Stich der Dornen, die von anderen gesät werden.
Zeige dich barmherzig gegen Christen, Juden, Heiden,
und liebe wie ein Paulus Christus den Herrn.
Dies alles treu tun,
und sich auf dies alles nichts zugute halten,
und noch obendrein an die Brust schlagen
das möcht wohl die beste Wahrheit auf Erden sein.
Die beste im Himmel lehre dich der Himmel selber!.


Aus einem Brief an Eleonore Auguste Gräfin Stolberg-Wernigerode

Ebersberg, den 12./13. März 1798

...
Wir leben itzt in den Tagen der Zertrümmerung, und es ist dies nur eine Ursache mehr, was uns immer noch tiefer in den innersten Tempel hineintreibt. Indem außer uns alle Formen wanken, was können wir anders, als uns noch fester an den anhängen, der einst, als eine Welt im Wasser unterging, für die Seinen eine rettende Arche baute und der, wenn sich alle zeitlichen Dinge ändern wie das Gewand der Mode, ewig unwandelbar bleibt - und unser Freund?
Wie wohl ist dem, der durch Glaube, Hoffnung und Liebe - diese Säulen des unzerstörlichen Tempels - ein Haus in sich hineingebaut, ein Gotteshaus, das nicht nur durch den allzermalmenden Zahn der Zeit nicht zermalmt werden kann, sondern über Zeit und Tod siegend, aus den Trümern des Zeitlichen nur herrlicher hervorgehen und so lange dauern wird, als Gott - ewig!
Wie kann ich es der Huld, die alle unsere Schritte regieret, genug danken, dass sie unzählige Menschen unter allen Himmelsstrichen diese heilige Zufluchtsstätte, diesen Sitz des Friedens - finden lassen; dass sie auch Ihnen, auf so mancherlei Wegen, in diese Zufluchtsstätte hineingeholfen; dass sie auch mich nicht nicht waise lassen konnte! Der Herr, der für uns starb und für uns lebet, der auch die Zukunft in seiner Hand hat und der sein Evangelium, auch in diesen Tagen des Kampfes, teils retten, teils wahr machen wird, sei Ihnen, verehrungswürdige Freundin, mit seinem Licht und Liebe nahe und lasse sie erfahren, dass nur die himmlische Weisheit, die so vielen als Unsinn erscheint, als Weisheit bestehen könne; dass Sein Friede, eben weil er außer der Zeit liegt, von allen Stürmen der Zeit unbesiegbar sei, und dass die Liebe, die Sein Geist in das Herz leget, alle Leiden zu tragen und zu versüßen vermöge.
Ich bin, gottlob, gesund, und, bei stiller Tätigkeit, getrost im Glauben an den, der nicht schläft, noch schlummert, wenn er auch scheint - die Seinen vergessen zu haben; denn der Schein ist nur Schein.

Gott mit Ihnen und all den Ihrigen und Ihrem J M Sailer

(Schiel: Johann Michael Sailer. Briefe. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1952. S. 162.)


Aus seinem letzten Hirtenbrief (15. April 1832)


Geliebte Brüder, zum Schlusse die Bitte: Lasst diesen freundlichen Zuruf, diese väterlichen Ermahnungen Eures Bischofs in Eurem Herzen Anklang und in Eurem Leben Nachklang finden. Es sind Worte eines Greises, der, nach achtzigjähriger Pilgerschaft, an den Pforten der Ewigkeit stehend, Euch nichts Besseres zu sagen weiß, als: "Habt nicht die Welt lieb noch was in der Welt ist, denn die Welt vergeht mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt ewig." Er richtet diese Worte an Euch am Sonntag der Palmen. Die schwere Leidenswoche steht noch bevor, auch eine schwere Arbeitswoche für euch alle; aber bald wird sie überstanden sein und schon in acht Tagen ertönt das freudige Alleluja zu Ehren des Erstandenen. So ist es, Brüder, mit unserem Leben. Noch wenige Wochen, Monate, Jahre der Arbeit und dann sind alle Mühen, alle Leiden vorüber für immer. Also mutig gekämpft und geduldig ausgeharrt bis ans Ende, denn es kommt der Tag der Vergeltung, wo er, für den wir gestritten und geduldet, den Schweiß und die Tränen von unseren Augen wischen und uns mit ewiger Freude alles Leiden lohnen wird. "Der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen. Komm Herr Jesu!" - Bis dahin flehen wir mit der heiligen Kirche: "Gott, von dem allein stammt alles heilige Verlangen, alles rechte Beginnen, alles gerechte Tun: gib uns, deinen Dienern, jenen Frieden, den die Welt nicht geben kann; damit unsere Herzen deinen Geboten ergeben und unsere Zeiten, von allen feindlichen Schrecken befreit, unter deinem Schutze ruhig bleiben. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn."


Eine andere Kurzbiografie über Johann Michael Sailer

Eine dritte Kurzbiografie über Johann Michael Sailer