Naturlehr- und Erlebnispfad "Panoramablick"

ein Projekt der Gemeinde Patersdorf
und der Direktion für Ländliche Entwicklung Landau a.d. Isar
mit Unterstützung des Naturparks Bayerischer Wald und
vieler Gönner und Helfer


Wie komme ich hin?

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Begleitheft

vom
Gasthaus Schroll, Schön
Tel. (09929) 1330

oder von der
Gemeindeverwaltung Patersdorf
Tel. (09923) 2201

Übersichtsplan

Wie entsteht der Waldboden?

Aus einem absterbenden Baum wird Kompost und Boden - daraus erwächst neues Leben.

Naturkreislauf

Der Boden ist eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen. Er wirkt wie ein Schwamm, der den Regen aufsaugt und ihn nur langsam in die tieferen Bodenschichten einsickern läßt. Dadurch wird das Wasser gereinigt und mit Sauerstoff angereichert. Durch sein großes Wasserspeichervermögen verzögert der Waldboden den Wasserabfluß und schützt so wirkungsvoll vor Hochwassergefahren. Der Boden ist die Schlüsselstelle des Kreislaufes von Werden und Vergehen.
Abermilliarden von Klein- und Kleinstlebewesen, Bakterien und Pilze bauen die abgestorbenen Pflanzen in Grundbausteine ab. Diese Bausteine sind dann wieder Grundlage für neues Leben.
Am Beispiel des abgestorbenen Baumes ist zu beobachten, wie daraus zunächst Kompost und dann wieder langsam Erdboden wird.
Auch unsere Bioabfälle werden auf die gleiche Art wieder in den Naturkreislauf zurückgeführt. Der Inhalt der Biotonne (Obstschalen, Speisereste, Rasenabschnitt usw.) wird im Kompostwerk der AWG in Regen wieder zu wertvollstem Gartendünger umgebaut. Eine computergesteuerte Belüftung und Bewässerung sorgt dafür, daß der natürliche Verrottungsvorgang optimal funktioniert.

Der Boden lebt!

Das Laub, das von den Bäumen fällt, müsste sich im Lauf der Jahre zu riesigen Bergen auftürmen. Aber es gibt viele verschiedene Bodenlebewesen, die die Blätter zerfressen. So entsteht neuer Waldboden. Kannst du dir vorstellen, dass in einer Hand voller Waldboden mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde leben?

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Wie wurde der Bayerische Wald gerodet?

Eine Lesesteinmauer erzählt ihre Entstehungsgeschichte und ihre Bedeutung für die Natur.

Lesesteinmauer

Nach dem Reuten (Abschlagen) und dem Schwenden (Ausbrennen) des Waldes fiel für die Rodungsbauern eine weitere schwere Arbeit an. Das gerodete Land musste von den Wurzeln der Stämme und Sträucher gereinigt werden. Aber auch dieser Vorgang ergab noch lange kein kultiviertes Land, das mit dem Pflug bearbeitet werden konnte.
Es mussten die vielen großen und kleinen Steine in mühevoller Arbeit ausgegraben und aufgelesen werden. Die kleineren Steine sammelten die Rodungsbauern in Schwingen ein und schichteten sie zu Mauern an Wiesen-, Acker- und Waldrainen auf. Die größeren Steine wurden mit der Ochsenschleife weggezogen und zu Steinriegeln aufgeschichtet. Oft wurden die Mauern auch zur Markierung der Grundstücksgrenzen benutzt, wo sie noch heute ihren Dienst tun. Die Trockenmauern sind als Kleinbiotope Heimat vieler seltener Tiere und Pflanzen. Die Mauern bilden ein gutes Versteck für die Zauneidechse, Blindschleiche, Erdkröte, Igel, viele Vögel, Schmetterlinge, Schnecken und Laufkäfer. Die Tiere benutzen die warmen Steine auch zur Regulierung ihrer Körperwärme. Von den Pflanzen entwickeln sich besonders das Heidekraut, die Pechnelke und die Glockenblume in den Ritzen der Mauern.
Die Mauer an dieser Stelle wurde in einem dreitägigen Projekt von Schülern der Hauptschule Ruhmannsfelden errichtet. Lernziel war das Kennenlernen der Rodungsgeschichte und die Bedeutung der Lesesteinmauern.

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Bayerwaldriesen erzählen!

An den Jahresringen einer fast 200-jährigen Fichte wird die Geschichte aufgezeigt.

Waldwirtschaft

Ehemals war das Gebiet des Bayerischen Waldes mit einem beeindruckenden Urwald bedeckt. Zu je einem Drittel waren Fichte, Tanne und Buche die dominierenden Baumarten. Aber auch Birke, Bergahorn, Linde, Eiche und Esche sind traditionelle Bayerwaldbäume. In den Hochlagen des Bayerischen Waldes (über 1200 m ü. NN) wurden die Mischwälder durch scheinbar widerstandsfähigere Fichtenkulturen abgelöst. Dagegen breiteten sich entlang der Flüsse und Bäche Schwarzerlenbestände aus.
Im Zuge der Besiedlung veränderte sich auch die Waldwirtschaft durch Rodung, Waldweide und Wald- und Landwirtschaft. Die vielerorts natürlichen Bergmischwälder mit ihrer hohen Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren wurden zu vermeintlich wirtschaftlicheren Fichtenplantagen. Diese zeigten sich aber sehr anfällig gegen Stürme und Krankheiten (Borkenkäfer).
Die Wälder im Bereich Zottling-Schön-Prenning sind gottlob seit Generationen als typische Bauernwälder einzustufen. Typisch dafür ist die Einzelstammentnahme oder Plenterwirtschaft zur Baustoff- und Brennholzgewinnung. Durch diese sehr nachhaltige Bewirtschaftungsform entwickelten sich enorm widerstandsfähige und naturnahe Bergwälder.
Trotzdem sind die Wälder in diesen Hochlagen des Bayerischen Waldes großen Belastungen ausgesetzt. Neben den harten natürlichen Einflüssen setzt besonders die Luftverunreinigung den Bäumen arg zu. Sie filtern die Schadstoffe aus der Luft, werden aber dadurch für Schädlinge aller Art zur leichten Beute. Wir sind deshalb alle aufgefordert, unseren Beitrag zu leisten, damit auch unsere Nachkommen an einem gesunden und artenreichen Bayerischen Wald ihre Freude haben.

Vom Alter der Bäume

Bäume werden sehr alt: Buchen können mehr als 300 Jahre alt werden, Fichten und Tannen bis zu 600 Jahre.
An den Schnittflächen eines gefällten Baumes lässt sich sein Alter genau feststellen.
Jedes Jahr legt der Baum eine neue Wachstumsschicht an, den sogenannten Jahresring. Die unterschiedlichen Breiten der einzelnen Ringe zeigen die verschiedenen Einflüsse an, denen der Baum in seinem Wachstum ausgesetzt war. In regenreichen, wüchsigen Jahren bildet der Baum breite Ringe; in trockenen Jahren dünne Ringe. Auch Umweltbelastungen oder längere Kälteperioden beeinträchtigen das Wachstum der Bäume. Um das Alter des Baumes zu bestimmen, zählt man die Anzahl der Jahresringe.
Im Alter von ca. 90 bis 120 Jahren werden Bäume gefällt. Die an dieser Station dargestellten Stämme mit ihren Jahresringen zeigen, welch lange Geschichte unsere Bäume erzählen können. Suchen Sie in den Jahresringen ihre persönlichen Daten.
Die große Fichte wurde im November 1997 ca. 2 km nordöstlich von Himmelwies gefällt. Der Baum war 45 m hoch und maß ca. 11 Festmeter Holz.
Die Holzwirtschaft rechnet mit einem besonderen Maß, dem "Ster". Bei der Station "Waldwirtschaft" ist ein Ster Holz aufgeschichtet.

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Waldweide und Hirtenspruch!

Der in Stein gehauene Hirtenspruch erzählt von der Mühsal der Hüterbuben.

Waldweide

Das Anwesen Himmelwies war früher ein zum Fellerhof gehörender Bergstall. Heute ist es ein gut funktionierender Iandw. Betrieb. Himmelwies wurde in den ersten Erwähnungen 1353 Humblern = Stier (bzw. Stierweide) genannt. Die spätere Umdeutung Himmelwies ist wohl der hohen Lage (700 bis 750 m ü. NN) zuzuschreiben.
Der spärliche Grasbewuchs vieler der umliegenden Wälder, besonders der nebenstehende Erlenbestand wurden noch bis zum Jahr 1975 beweidet. Bei den Bauern in der Gegend war es Aufgabe der Hüterbuben, vorwiegend Jungkalbinnen und Schafe übers Jahr auf die Weide zu bringen. Damit die Tiere nicht verloren gingen, wurden ihnen Glocken umgehängt. Anfang November wurden die Tiere in die Ställe gebracht dann hängten sich die Hüterbuben die Kuhglocken um und gingen laut schellend von Haus zu Haus zum "Wolfausläuten". Der "Weisl" (Anführer der Gruppe) sagte dabei den Hirterspruch auf, der von der Not der Hüterbuben berichtete. Das Wolfausläuten vor St. Martin (11. Nov.) ist noch heute, vorwiegend im Landkreis Regen, lebhafte Tradition.
Der vom Steinmetzmeister Georg Biermeier in Patersdorfer Granit gehauene "Hirterspruch" ist die in Patersdorf überlieferte Variante.

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Wie hoch sind die Bäume?

Schätzen Sie die Höhe eines Baumes und bedienen Sie sich verschiedener Techniken.

Rund um den Baum

Kennst Du die höchsten, dicksten und ältesten Lebewesen auf unserer Erde? Das sind unsere Bäume!
Jeder Baum will hoch hinaus. Was glaubst Du, wie hoch Bäume werden können? Bis über 120 Meter! Das sind die Eukalyptusbäume in Australien. Bei uns gehören Fichten und Tannen zu den Riesen. Sie können unter guten Wachstumsbedingungen 55 bis 60 Meter hoch werden. Unsere Laubbäume erreichen dagegen höchstens 40 Meter.
Um ein genaueres Ergebnis zu bekommen, kannst Du es auch mit der Stockmethode versuchen. Das geht so. Du suchst Dir zuerst einen Stock.
Halte dann den Stock so, dass seine Höhe gleich lang ist, wie der Abstand des waagerecht ausgestreckten Armes vom Auge. Gehe von der Fichte so weit weg, bis Du den Baumwipfel in einer Linie mit der Stockspitze siehst.
Dein Abstand vom Baum entspricht nun der Baumhöhe Du kannst sie mit Schrittlängen messen - hinter der Fichte gibt es außerdem eine Messskala.

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Wann wurde der Bayerische Wald besiedelt?

Eine Tafel erzählt die ca. 1000-jährige Besiedelungsgeschichte des Bayerischen Waldes.

Besiedlungsgeschichte

Das Gebiet des "Nordwaldes" war schwer zugänglich und deshalb erst verhältnismäßig spät besiedelt. Nach Fischern und Jägern in prähistorischer Zeit erfolgte die planmäßige Besiedlung in diesem Raum im 9. Jahrhundert vom Kloster Metten aus. Es wird angenommen, dass dazu der sog. "Böhmsteig" über Deggendorf - Ruhmannsfelden - Patersdorf benutzt wurde. Erste Rodungstätigkeiten im "herrenlosen Wildland" sind im Jahre 882 nachgewiesen. Diese Besiedlungsperiode ist auch durch "Dorf-" Siedlungen gekennzeichnet (Lämmersdorf, Patersdorf, Schreindorf). Die Grafen von Bogen setzten die Besiedlung im 11. bis 13. Jahrhundert fort. Dieser Abschnitt ist durch die "Zell-, Ried-, Mais-, Haus- und Hof-Orte" gekennzeichnet. Das bedeutendste Geschlecht waren in diesem Raum die "Nussberger" die in ihrem Stammsitz Altnussberg (der schon 882 genannt ist ) bereits 1126 nachgewiesen sind. 1345 siedelten sie nach Neunussberg über. Das Geschlecht wurde 1468 in den Böckleraufstand verwickelt - der Niedergang der Burganlagen in Neunussberg, Linden und Altnussberg hing damit zusammen.
Der Landgerichtsbezirk wurde früher "Viechtreich" genannt.

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Bayerwaldlandwirtschaft früher und jetzt!

Die Landwirtschaft im Bayerischen Wald hat Tradition und sichert das Landschaftsbild.

Kulturlandschaft

Grüne Wiesen, intakte Dörfer, romantische Gewässer und schier unendliche Wälder prägen das Bild des Bayerischen Waldes. Die Landschaft ist urtypisch, unverwechselbar und von den Negativauswirkungen des Massentourismus bisher weitgehend verschont.
Auch die abwechslungsreiche Landschaft um Patersdorf ist das Ergebnis jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Nutzung. Heute noch erfolgt die Bewirtschaftung in klein- und mittelbäuerlichen Betrieben, die eine naturverträgliche Landwirtschaft garantieren. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat aber auch im Bayer. Wald in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Trotzdem prägt die landwirtschaftliche Nutzung noch weitgehend das Aussehen unserer Landschaft und die landwirtschaftliche Tradition, das Brauchtum in der Gemeinde.
Im Bereich des Bayerischen Waldes hat die Landwirtschaft besonders mit der geographischen Lage und der Bodenbeschaffenheit zu kämpfen. Das Klima ist rauh. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt um 6,2 Grad Celsius und die Niederschläge bewegen sich zwischen 900 und 1000 mm. Auf den kalkarmen Urgesteinsverwitterungsböden hat sich deshalb die Grünlandnutzung durchgesetzt. 85% der landwirtschaftlichen Nutzfläche in der GemeindePatersdorf sind Wiesen. Der Aufwuchs mit Gräsern, Klee und vielen Kräutern liefert schmackhaftes Futter für die Tiere. Der Getreideanbau auf den wenigen Ackerflächen ist rückläufig und beschränkt sich auf die Tallagen.
Damit der Bayerische Wald auch künftig die Vorteile seiner gepflegten und Aktenzeichen und Kulturlandschaft zeigen kann, muss unser Augenmerk auch weiterhin einer gesunden landwirtschaftlichen Nutzung gelten.

Der Wald und die Artenvielfalt!

Erkennen Sie die verschiedenen Bäume am Waldrand.

Mischwald und Artenvielfalt

Die Natur verändert im Laufe eines Jahres ständig ihr Gesicht. Sie passt sich an. Jedes einzelne Tier, jede Blume, jeder Strauch und jeder Baum kleidet sich der jeweiligen Jahreszeit angemessen. Der in dieser Gegend noch häufig vorkommende Mischwald lässt dies sehr gut erkennen. Die Artenvielfalt erfüllt aber auch einen unersetzlichen Beitrag für ein gesundes Ökosystem des Waldes. Dazu gehört schon der stufige Waldrand, der den Wind sanft auffängt, so dass heftige Stürme keine größeren Schäden anrichten können. Haselnuss und Eberesche (Vogelbeere) sind aber auch für Eichhörnchen, Amseln und Eichelhäher ein wichtiger Futterspender. Darunter, am Boden, können gut geschützt Rebhühner, Fasane und Hasen ihre Jungen großziehen. Die großen Laubbäume im Inneren des Waldes wirken durch ihre starken Wurzeln als Stabilisator bei Sturm und Schnee. Nadelbäume wie Tanne und Fichte haben neben der Holzwirtschaft (Bauholz und Papierherstellung) noch eine wichtige Funktion für den Specht, der seine Höhlen gerne in diese Bäume baut, aber auch das Eichhörnchen richtet bevorzugt seine Kobel in den Kronen dieser Bäume ein. Buche, Birke, Esche und Bergahorn sind als Möbelholz aber auch als Brennholz sehr begehrt. Die geräumigen Kronen bieten Platz für die verschiedensten Insekten, wie Blattläuse, Marien- und Maikäfer, die wiederum Nahrung für die vielen Vogelarten wie Laubsänger, Baumläufer, Kleiber, Buchfink, sowie der Kohl-, Blau-, Tannen- und Haubenmeisen sind.

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Die "Eisheiligen"

Die 3m hohen Holzfiguren der Eisheiligen werden Sie faszinieren!
Die "Eisheiligen" sind im Volksglauben als "gestrenge Herrn" im Jahreskreis der Natur bekannt. Die Tage vom 12. - 14. Mai wurden nach den Heiligen und Märtyrern Pankratius, Servatius und Bonifatius benannt, dazu folgt am 15. Mai die "Kalte Sofie".
Langjährige Temperaturbeobachtungen zeigen, dass diese Tage immer wieder als Kälterückfälle erscheinen, so dass der Volksglaube bestätigt wird. Besonders im Bayer. Wald setzen Nachtfröste in dieser Zeit den empfindlichen Haus- und Gartenpflanzen oft hart zu.
Der bekannte Holzschnitzer Josef Meindl aus Bach bei Arnbruck schaffte mit Geschick vier eigenwillige Figuren aus verwachsenen Bäumen.
Nachdem in unmittelbarer Nachbarschaft die Vereinsanlage des Wintersportvereins liegt und die Winter der letzten Jahre nicht besonders "wintersportgeeinet" waren, erhalten die Eisheiligen, den nicht ganz ernst gemeinten Auftrag, für eine ausreichende Schneelage zu sorgen.

Baumtelefon, Waldxylophon und Holzorgel laden die Kinder zum Spielen ein!
Ein Kindereis für das richtige Lösungswort!

Näheres finden Sie im Begleitheft.


Direktion für Ländliche Entwicklung Landau a.d. Isar Gemeinde Patersdorf Naturpark Bayerischer Wald


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