"Ich habe deine Tränen gesehen"
Ein Trostbuch für Kranke
und ihre Wegbegleiter
Bernhard Häring

Foto von P. Bernhard Häring


Vorwort


Jedes Menschenleben und jede Familie haben es mit Leid und Krankheit zu tun, die einen mehr, die anderen weniger. Es gehört zu unserem Mensch-sein zu unserer Menschlichkeit. Die Frage ist, wie uns die Auseinandersetzung mit der Krankheit gelingt. Die Frage, der ich hier nachgehe, ist vor allem: Welche Rolle spielt dabei unser Glaube? Welche Kräfte fließen uns vom Glauben her zu?
Bisweilen erleben wir den Glauben als Heilkraft. Ich meine, dass dies um so eher der Fall sein kann, wenn wir vom Glauben nicht so sehr körperliche Heilung als vielmehr Sinngebung erwarten.
Statt hier eine theologische-systematische Darstellung über Sinn und Unsinn von Krankheit zu versuchen, was ja schon viele getan haben, begebe ich mich auf den Weg der narrativen Annäherung. Wenn viele uns erzählen, wie sie mit der Krankheit fertig geworden sind und wie schwer es ihnen bisweilen gefallen ist, so finden wir uns in einer Lerngemeinschaft. Darum wage ich es hier, von meinem Umgang mit der Krankheit zu erzählen, nicht weil ich meine, darin Vorbild zu sein, sondern vielmehr in der Erwartung, dass der Leser oder Hörer sich auf weite Strecken selbst wiedererkennt.
Ich hätte mich zu dieser Veröffentlichung sicher nicht entschließen können, wenn nicht immer wieder die Bitte an mich herangetragen worden wäre, aufgrund meiner eigenen Erfahrungen eine Art Trostbuch für Kranke und eine Hilfereichung für jene, die ihnen beistehen, zu schreiben. Ich kann mir selbst keine größere Freude vorstellen, als zu erfahren, dass Leidenden durch den Austausch unserer Glaubenserfahrungen in der Krankheit Trost und Kraft zuströmt.