Sr. M. Agnes MSC
Katharina Holler
Missionsschwester vom Hl. Herzen Jesu
in Papua-Neuguinea

1904 Bild von Sr. M. Agnes 2004

Unterschrift von Sr. M. Agnes

 


Kurzgefasster Lebenslauf



Text der Gedenkplatte in der Pfarrkirche


 

Andenken
an die erwürdige Missionsschwester
Mr. Agnes Holler,
Metzgermeisterstochter von Ruhmannsfelden, die am 13. Aug. 1904 bei einem tückischen Überfalle der Missionsstation Baining auf Neupommern, wo sie mit einigen Brüdern u. Schwestern zur Erholung u. zur Einweihung der neuen Kapelle weilte, durch Keulenhiebe getötet wurde und so als jugendliches Opfer von 23 Jahren für das Reich Gottes, dessen Ausbreitung ihr als schönste Lebensaufgabe galt, zur unverwelklichen Krone der Herrlichkeit gelangte.
R.(equiescat) I.(n) P.(ace) - Ruhe in Frieden.

 


Bericht vom Mordgeschehen am 13. August 1904


Geliebt sei überall das heiligste Herz Jesu!

Vunapope, d. 20. Aug. 04.

Teure Ehrw. Mutter,
alle lieben Schwestern!

Es ist uns ja bekannt, dass ein Brief aus der Mission immer wieder Freude bei Ihnen hervorruft. Wollte Gott, auch dieser Brief brächte Ihnen nur freudige Nachrichten, doch leider lb. Schwestern, es ist etwas sehr Trauriges, worüber ich Ihnen berichten muss. Der lb. Gott hat uns schwer heimgesucht. Kaum haben wir den ersten Schmerz über den Tod der lb. Ehrw. Mutter in etwa überwunden, so stehen wir von neuem trauernd an einem frischen Grabhügel, an einem Massengrabe. Baining, das sonst so friedliche Baining, ist der Schauplatz einer entsetzlichen Bluttat geworden. 2 Missionare, 3 Brüder und 5 von unseren Schwestern sind plötzlich, ohne etwas zu ahnen, in voller Tätigkeit von wilden, blutgierigen Menschen überfallen und getötet worden. Ich will es versuchen, Ihnen den ganzen Hergang der Sache mitzuteilen, so schwer es mir auch wird. Unter den Bewohnern des von P. Rascher erbauten Dorfes war ein gewisser To Mari, den man als Knaben aus den Händen der Sklavenjäger befreit hatte, der von Kindheit an in der Mission gepflegt und erzogen worden war. Später heiratete er und wohnte nun in St. Paul. Und dieser, das ist gerade so bitter, ist der Anführer der Mordbuben. Er wollte ein zweites Weib haben, was P. Rascher ihm natürlich verweigerte; deshalb hatte er einen furchtbaren Hass auf den Missionar, hütete sich aber wohl, davon etwas merken zu lassen. Im stillen verband er sich mit 4 Gleichgesinnten aus dem Dorfe und 300 Buschkanaken. Der Tag der schrecklichen Tat wurde festgesetzt und verabredet, dass die Helfershelfer, sobald sie auf der Station einen Schuss fallen hörten, mit Mordbeilen aus ihren Verstecken hervorstürzen und alle Weißen niederschlagen sollten, die sie anträfen. To Mari wollte keinen Missionar, keinen Bruder u. keine Schwester mehr in Baining haben, "dann", so soll er gesagt haben, "bin ich der König von Baining." Nun war es Gottes Wille, dass an dem schrecklichen Tage gerade so viele von uns in Baining auf Besuch waren. Ich hatte Schw. Agnes und Schw. Angela versprochen, sie sollten in den Ferien für einige Tage sich erholen. Bereits waren ihre Taschen gepackt, aber es war keine Gelegenheit, hin zu kommen. Wir hatten Exerzitien, Schw. Anna kam zu uns, während Schw. Agatha und Schw. Dorothea in Baining blieben. Nach 14 Tagen reisten Schw. Anna und Schw. Sophia wieder zurück. Letztere sollte ja in Baining an Stelle von Schw. Juliana wirken und Schw. Agatha zurückkommen. Der Unterricht in der Schule hatte schon wieder begonnen, da dachte ich doch noch die Schwestern für die versprochene Erholung zu entschädigen. Am 1. Aug. nahmen also Schw. Agnes, Schw. Angela und Schw. Brigitta sehr froh und munter von uns Abschied, keine von uns ahnte, dass wir zwei derselben nicht wiedersehen würden. Nach 8 Tagen, so hieß es, wird der Missionsdampfer "Gabriel", der schon monatelang in Reparatur war, fertig sein und die Schwestern zurückholen. Gleichzeitig wollten auch der Hochwürdigste Bischof und P. Provinzial, welche seit einigen Tagen in Toriu waren, wo das Sägewerk ist, zurückkommen. Doch sowohl die Herren als auch die die Schwestern warteten vergebens auf den "Gabriel". Die Reparatur zog sich in die Länge. Es war der Samstag vor Mariä Himmelfahrt, der 13. August angebrochen. P. Rascher hielt nach der Messe nicht den gewohnten Unterricht u. ging auch nicht zum Ufer, wie er eigentlich vor hatte, sondern saß ruhig in seinem Zimmer, da er sich sehr müde und schwach fühlte. Die Schwestern und Brüder waren nach dem Kaffee an ihr Tagewerk gegangen. Schw. Brigitta u. Schw. Dorothea hatten sich schon früh am Morgen mit den meisten Mädchen zu P. van der Aa begeben, um die Sachen für Schw. Sophia, welche man mit einem Boot dorthin geschickt, nach St. Paul zu bringen. Dieser Tag war zur Ausführung des Mordplanes von To Mari festgesetzt worden. Am 13. August morgens um 8 Uhr hat der Überfall stattgefunden. Am 14. gegen 9 Uhr morgens erhielten wir die erste Kunde davon. Es hieß zuerst, P. Rascher und 2 Schwestern sind tot, die Brüder vielleicht auch. 2 Schwestern sind sicher gerettet, aber von 3 Schwestern weiß man nichts. Wie schrecklich traf uns diese Botschaft! Wir haben furchtbare Tage durchgemacht! Wo waren die 3 vermissten Schwestern? Hatte man sie lebendig mitgeschleppt, vielleicht langsam zu Tode gemartert, oder waren sie geflüchtet und saßen nun da in der Wildnis, halbtot vor Angst und Hunger? Niemand wusste es. Nach 2 Tagen hörten wir: Alle sind auf der Station getötet worden, aber man hat nur P. Raschers Leiche gefunden, die Leichen der Brüder und Schwestern haben die Wilden mitgeschleppt und aufgefressen. Neuer Schmerz, neues Wehklagen bei uns. Wir konnten in diesen schrecklichen Tagen weder beten noch arbeiten. Wollte man eine Arbeit verrichten, so lief man zehnmal über dieselbe Stelle und wusste nicht mehr, was man tat. Die Köchin, Schw. Mathilde, wollte kurz vor Mittag die Suppe probieren und hatte nur heißes Wasser im Topf. Endlich am 17. Aug. kam P. Kleintitschen, der sofort nach Ankunft der Schreckensnachricht mit einer Schar bewaffneter Leute nach Baining gefahren war, zurück und brachte sichere Nachrichten. Demnach ist der Hergang der entsetzlichen Tat folgender. To Mari kommt am Samstag Morgen nach der Messe zu P. Rascher und bittet ums Gewehr, um für ihn Vögel zu schießen, wie er es gewöhnlich an jedem Samstage zu tun pflegte. Er kehrt nach einiger Zeit zurück, schleicht sich leise auf die Veranda, sieht P. Rascher in seinem Zimmer sitzen, legt an und erschießt den Missionar durchs Fenster. Schw. Anna ist beschäftigt im Hause des Hochw. Paters, da Samstag war, etwas zu ordnen, sie sieht das Schreckliche, flüchtet sich ins Nebenzimmer und schließt die Tür ab. Dieselbe war jedoch mit einigen Axthieben zertrümmert. Der Mordgeselle legt legt zum 2. Male an und erschießt die arme Schwester, die in ihrer Not unter den Tisch gekrochen war, mit einer Kugel durch den Kopf. Ich will Ihnen die Lage der Leichen so beschreiben, wie P. Kleintitschen dieselben gefunden hat. Sämtliche Leichen waren schon stark am verwesen, weil sie ja bis zum Auffinden bereits 2 ½ Tag gelegen hatten. Schw. Anna lag mit dem Kopf auf einer Leinenkiste, sie war noch ganz deutlich zu erkennen, das Gesicht durchaus nicht verzerrt, im Gegenteil freundlich lächelnd. Schw. Sophia, die im Dorfe Wunden verbunden hatte, wurde auf dem Rückwege überfallen und mit einem Beilhiebe in den Nacken niedergeschlagen; sie scheint nicht gleich tot gewesen zu sein, denn die Kerle hatten noch schrecklich auf sie getreten. Der Trappistenbruder Aloysius Bley war unter dem Hause des P. Rascher am Arbeiten. Er hat einen Schuss bekommen und da er noch eine Strecke lief, hat man ihn mit einem Beilhieb vollends getötet. Br. Schellekens arbeitete an der Cementtreppe der neuen Kirche, er wurde durch 2 Beilhiebe in den Kopf getötet, man fand seine Leiche auf der Treppe liegend, die Kelle noch in der Hand. Bruder Plaschaert, welcher ebenfalls in der neuen Kirche arbeitete, wurde auf dieselbe Weise getötet, man fand ihn, noch Maßstock und Bleistift in der Hand haltend. Schwester Agatha verband vor dem Schwesternhause Wunden. Sie wurde bei ihrem Samariterdienst überfallen und durch zwei Beilhiebe in den Kopf getötet. Als man sie fand, stand noch der Kasten mit dem Verbandszeug neben ihr. … Auf der Veranda fand man Schw. Agnes liegen, sie hatte einen furchtbaren Hieb in Kopf und Schulter erhalten. Ihr Kopf war mit dem Schleier umwickelt. Und wo wurde Schw. Angela gefunden? In der Kirche, auf den Stufen des Altars. Sie war im Begriff gewesen, den Altar abzuräumen, als sie ebenfalls durch 2 gewaltige Beilhiebe in den Kopf niedergeschlagen wurde. In den Händen hatte sie noch Kerzenleuchter und Staubtuch. Neben ihr stand der Tabernakel mit dem Allerheiligsten unversehrt darin. Die Unmenschen hatten den Tabernakel heruntergeworfen, aber nicht erbrochen. - So sind alle in voller Tätigkeit zu gleicher Zeit überfallen worden, das Ganze war das Werk von höchstens 5 Minuten, die meisten von den Schwestern waren aufgeschürzt. Die Leichen der Schw. Agnes und Agatha waren nicht mehr zu erkennen. Von St. Paul gingen der Herren zur Station des Hochw. P. Rütten hinauf. Alles war dort wie ausgestorben, kein Knabe mehr zu sehen. Auf der Veranda stand der blutige Ruhestuhl und am Boden war eine große Blutlache, aber die Leiche des Missionars war nirgends zu sehen. Man suchte überall und sah endlich vor dem Hause frisch gegrabene Erde. Dieselbe wurde aufgeworfen und man fand die Leiche des Hochw. P. Rütten, nur einen Fuß tief begraben. Der Kopf war bis oberhalb des Mundes abgehauen. Die Schulknaben hatten ihren Vater begraben. Er hat sorglos nach dem Mittagessen ein Schläfchen im Stuhl gehalten und ist dann von den Wilden überfallen worden. Auf dem Tische lag noch aufgeschlagen das Buch: Die Märtyrer von Rom, worin er noch bis zum Einschlafen gelesen haben muss. Nach den Aussagen des Arztes hat keiner der Erschlagenen gelitten. Die Häuser sind ganz und gar geplündert und ausgeraubt worden; was sie nicht gebrauchen konnten, als Bücher, die Nähmaschine etc. ist zurück- geblieben. In der Küche der Schwestern stand noch der Brotteig, halb angemengt. Bei P. Rütten war jedoch alles geraubt und zerschlagen. Auch der Tabernakel mit dem Allerheiligsten war fort. - Nun noch einige Worte über das traurige Begräbnis. Die Leiche des Hochw. P. Rascher wurde am Nachmittage des Mordtages von seinem Knaben zu P. von der Aa gebracht, der ihn auf seiner Station Vuna Marita in der Kirche begrub. P. Rütten wurde von P. Kleintitschen auf seiner Station an derselben Stelle begraben wo man die Leiche gefunden hatte. Alle Brüder und Schwestern wurden am Mariä-Himmelfahrtstage in St. Paul ebenfalls von P. Kleintitschen begraben. Das muss ein trauriger Zug gewesen sein! Särge waren natürlich nicht zur Hand. Die Leichen wurden mit Kokosblättern umhüllt. Vor und hinter dem Zuge schritten schwarze Soldaten mit geladenen Gewehren, neben jeder Tragbahre gingen außerdem noch 2 bewaffnete Soldaten. P. Kleintitschen ging vorauf, in einer Hand die Waffe, in der anderen das Gebetbuch. Der Arzt und noch ein Weißer waren im Gefolge, jeder bewaffnet. Vorsicht war geboten, denn noch immer konnten die Mordbuben in der Nähe sein. - In einer langen Gruft liegen die tapferen Helden Mann an Mann begraben. Sie sind eines schönen, herrlichen, ruhmvollen Todes gestorben, man muss sie beneiden. Wie bald schon sind diese 5 Schwestern mit unserer lb. ehrw. Mutter vereinigt worden! Wir Überlebenden sind öfter in Baining gewesen und nie ist etwas vorgefallen. Warum musste das schreckliche Ereignis gerade passieren, da so viele von uns dort zusammen waren? so möchte man fragen. Ja, wenn man keinen Glauben hätte, so wüsste man keine Antwort darauf. Unsere Antwort aber lautet: Es war so Gottes Wille, diese hat er sich auserwählt, sie waren würdig, die Krone in Empfang zu nehmen, während wir uns noch besser vorbereiten müssen. - Wer weiß, welche Opfer uns noch bevorstehen? Gott möge Sie und uns alle stärken, alles, was er uns schickt, bereitwillig auf uns zu nehmen. Nun, da wir alles wissen, ist zwar die Unruhe und die Verwirrung vorüber, doch jetzt fühlen wir erst so recht, was wir verloren haben. Alle waren so treue, gute, zuverlässige Schwestern. Welche Stützen für die Schule habe ich verloren! Wie wir uns jetzt alles einrichten, weiß ich noch nicht. Malagunan kann natürlich nicht eher von uns besetzt werden, bis Hilfe aus Hiltrup kommt. Aber wie ist es, lb. Schwestern, fürchten sie sich jetzt, zu uns zu kommen oder sind sie noch mehr für die Mission begeistert? Ich hoffe das Letztere, denn eine Schwester, die sich fürchtet, taugt nicht zu einer Missionsschwester. Gestern sind die beiden Schw. Brigitta und Dorothea mit den meisten Baininger Mädchen nach langen Irrfahrten endlich wieder zu uns gelangt. Sie werden Ihnen selbst ihre Erlebnisse schildern. Das war ein trauriges Wiedersehen! - Der Hochw. Bischof und P. Provinzial sind noch immer in Toriu, vor 3 Tagen ist der "Gabriel" hingefahren, um ihnen die Trauerbotschaft zu bringen. Was muss doch unser guter Vater alles bei uns erleben, zuerst den Tod der Ehrw. Mutter und nun diesen Schlag. Beten Sie, lb. Schw., recht viel für ihn und für uns alle, auf das Gottes Wille an uns vollbracht werde; vergessen Sie auch, bitte, die armen Eltern und Angehörigen der Erschlagenen nicht. Ich habe ihnen die Trauernachricht mitgeteilt. Gott wolle sie trösten. - Mit allen überlebenden Schwestern grüßt Sie, lb. Ehrw. Mutter und alle lb. Schwestern

Ihre
Schw. Franziska MSC