Franz Lorenz Grässl
erwählter Titularbischof von Samosata
Coadjutorbischof von Baltimore

 

 


Kurzgefasster Lebenslauf


  • geboren am 18. August 1753 in Ruhmannsfelden als drittes von vier Kindern der Rotgerbereheleute Walburga geb. Zitzelsberger (von Sintweging) und Lorenz Grässl
  • Ausbildung in den Jesuitenkollegien in Regensburg und Ingolstadt
  • Freundschaft mit Johann Michael Sailer
  • Eintritt ins Noviziat der Jesuiten in München. Wegen der Auflösung des Ordens (1773) kann er nicht Jesuit werden
  • Studium der neuen Sprachen
  • Hauslehrer in einer adeligen Familie in München
  • Entschluss nach Amerika zu gehen, vermutlich von Sailer beeinflusst
  • Im Sommer 1787 über London nach Amerika
  • Am 10. Oktober 1787 Ankunft in der "Neuen Welt"
  • In einem Brief vom 9. Dezember 1787 berichtet er, er habe schon viele deutsche, englische, französische, italienische, holländische und spanische Beichten gehört. Seine Sprachstudien erweisen sich als sehr nützlich.
  • Im Jahr 1789 wird John Carrol (Exjesuit) zum ersten katholischen Bischof von Baltimore gewählt, er muss zur Bischofsweihe nach England reisen
  • Um diesem Übel abzuhelfen und die Beschwernisse einer so weiten Reise zu vermeiden, wählte die erste Synode in Baltimore einen Coadjutor-Bischof. Die Wahl fällt wegen seiner Begabung und seines Eifers auf Franz Lorenz Grässl. Die Akten der Synode werden zur Bestätigung nach Rom gesandt.
  • Franz Lorenz Grässl bleibt in der Zwischenzeit auf seinem Posten in Philadelphia. Er kehrt der Stadt auch nicht den Rücken, als eine Gelbfieberepidemie ausbricht. Die Geistlichen der anderen Bekenntnisse entzogen sich der Gefahr durch die Flucht. Er und ein irischer Dominikaner blieben als einzige zurück und leisteten den Kranken ohne Unterschied des Bekenntnisses geistlichen Beistand, bis beide selber Opfer der Seuche werden.
  • So stirbt Franz Lorenz Grässl noch vor Eintreffen der Wahlbestätigung aus Rom vor dem 12. Oktober 1793. Das genaue Todesdatum ist nicht überliefert.
  • Eine Gedenktafel in der Pfarrkirche und an dem Nachfolgegebäude seines Geburtshauses erinnern an sein beeindruckendes Lebenszeugnis.
  • Lorenz Grässl im Biografisch-Bibliografischen Kirchenlexikon.
  • Lorenz Grässl auf der Homepage des Erzbistums Baltimore.
  • Lorenz Grässl auf der Homepage von "www.catholic-hierarchy.org".

 


Text der Gedenkplatte in der Pfarrkirche


Denkmal
des Hochwürdigen Herrn
Franz Lorenz Grahsel,
Missionär aus Ruhmannsfelden, geb. am 18. August 1753. In seinen Studienjahren zählte ihn der hochselige Bischof Sailer zu seinem innigsten Freunde. Nach wenigen Jahren priesterlicher Tätigkeit verließ er mit größtem Schmerze seine liebe Heimat und kam am 10. Oktober 1787 in Amerika an, wo er als eifriger Missionar recht segensreich wirkte. Wegen seiner ganz vorzüglichen Natur und Geistesgabe wurde er auf der ersten Synode der neuen Repubik zum Coadjutor Bischof von Baltimore gewählt. Während die Tatsache seiner Wahl zur Bestätigung nach Rom geschickt wurde, versah er immer noch zu Philadelphia das Amt des unermüdlichsten Missionärs um eben die Zeit, als dort die schreckliche Pest wütete, bis endlich auch er als Opfer der Liebe und des Seeleneifers dieser tückischen Krankheit erliegen musste am Ende des Jahres 1793.
Sein Andenken bleibt Segen.

 


Der letzte Brief an seine Angehörigen


Philadelphia am 19tem Juni 1793

Liebster Vater, Mutter, Schwestern! armer Bruder Bernhard,
wer immer von euch noch am Leben ist, seyd mit tausendmal gegrüßt!

Sehr oft hatte ich an Euch gedacht, meine Liebsten! wenn ich so einsam durch die Tage langen, stillen Wälder Amerikas gewandert bin; wenn ich wie eine Stimme des Rufenden in der Wüste, den in den Wäldern zerstreuten nach dem Worte Gottes hungrigen Seelen das Evangelium predigte, dann dachte ich oft an mein liebes waldiges Ruhmannsfelden - den Ort meiner ersten Jugend wo meine besten Freunde an mich denken, für mich beten. Oft wünschte ich mich wieder zurück, euch alle noch einmal zu sehen; allein Wünsche waren nicht genug, mich über den weiten Ocean in eure Arme wieder zurückzuführen. Noch mehr; meine Wünsche, Gott Lob! wollten niemals den Willen Gottes entgegenstreben. - Es war aber der Wille unseres besten Vaters im Himmel, daß ich mein kurzes Erdenleben zum Besten der amerikanischen Catholiken aufopfern sollte. Und wie gut, unendlich gut ist Gott für seine Kinder. Er war zufrieden mit diesem geringen Opfer, mit meinem guten Willen und will mich nun bald aus dieser mühsamen irdischen Wanderschaft zu sich in die ewige Ruhe hinüberzubringen, so hoffe ich in Demuth des Herzens von seiner unendlichen Barmherzigkeit. Liebste Freunde! ich bin nun krank u. nach allen menschlichen Ansehen werden meine Tage nur wenig mehr auf Erden sein - glaublich, bevor ihr dieses leset, wird mein Leib schon in stillen Grabe ruhen; allein trösten wir uns alle mit der herrlichen Aussicht in die Ewigkeit. Dort, hoffe ich zu Gott, werden wir alle einander wieder sehen u. nimmer getrennt werden.
Meine Krankheit habe ich mir in der letzten Mission durch die sandigen Wege von Nova Cacharäa (Schreibfehler in der vorliegenden Abschrift: Nova Caesarea = New Jersey) an einem heißen Sommertage zugezogen. Schmerzen an der Brust, kurzer Athem, ein trockener Husten, ein täglich am Abend zurückkehrendes Fieber, nächtliche auszehrende Schweiße - dieses sind die Wirkungen der Krankheit, wie sie immer dieselbe nennen wollen. Das Beste ist, daß ich gerne sterbe. Der Tod war mir niemals fürchterlich; er ist der süßeste Trost eines leidenden Christen auf Erden: u. wer hat nicht zu leiden auf Erden. - Er ist der Anfang eines besseren Lebens in der Welt, wo wir ewig leben werden, wenn wir uns nur bestreben seinem freundlichen Besuche keine Hindernisse durch unsere Sünden in den Weg zu legen. Erwartet von mir keine lange Beschreibung unserer Stadt, Land, Nation ec. ec. Ihr wisset in den Augen eines Sterbenden verschwindet die ganze Welt. - Mein einziges Geschäft ist nun mit Geduld zu leiden, u. seelig zu sterben. Ich hatte einst viele gute Freunde in dem ruhigen, eremitischen Gotteszell. Grüßet sie mir alle mit meinem letzten, herzlichen Abschiedsgruße. - Ist der fromme, mir ewig verehrungswürdige in heiliger Einsamkeit ergraute Prälat noch bei Leben, so saget ihm, ich sei bis an das Ende meines Lebens für seine Freundschaft dankbar gewesen; saget ihm er habe vielmehr Ursache, mir zu meinem Tode Glück zu wünschen, denn er selbst wisse aus eigener Erfahrung, wie drückend die Inful eines Prälaten, wie schwer der Stab eines geistlichen Hirten sei. Von dieser fürchterlichen Last befreyt mich der freundliche Tod. - Dieses scheint euch geheimnißvoll, ich muß es euch erklären; wir haben nur einen Bischof in den großen weiten Staaten von Amerika; sollte dieser sterben, so müßte wieder ein anderer von der Geistlichkeit erwählt, nach Europa reisen, um die Weihung zu erhalten. Deswegen erlaubte der Pabst, einen Coadjutor Bischof zu wählen, der unserem würdigen Bischof einst nachfolgen sollte. Man wählte in Anfang Mai, u. wählte, liebste Eltern, euren armen Lorenz. - Ich sollte noch in diesem Leben ein Bischof sein! Nichts konnte mich mehr beunruhigen, als diese Nachricht - allein Gott erhörte mein Gebet, er will mich Unwürdigen von dieser schweren Bürde befreien, um einem Würdigeren Platz zu machen. - Während mein Name, Geburtsort ec. ec. nach Rom abgeht, um vom Pabste die Gutheißung meiner Erwählung zu erhalten, werde ich die ganze Welt verlassen, um ewig auszuruhen, von den Leiden meiner irdischen kurzen Pilgrimschaft. Sehet dieses ist eine andere Ursache, warum der Tod mir so süß, so erwünscht kommt. Ich würde die schwere Last eines amerikanischen Bischofs gerne angenommen haben, allein ich würde immer Ursache gehabt haben, zu zittern vor der schweren Verantwortung u. wegen meiner geringen Talente - ein schwachen Lichtlein, daß ein dunkle Zelle beleuchten kann, wenn es an dem Hochaltar eines prächtigen Doms aufgestellt wird, was wird daraus folgen? Es braucht keine weitere Erklärung. -

Lebet nun ewig wohl, ihr Alle! Freunde meines Herzens!
Betet für mich, daß mich Gott stärken möge, in meinem letzten Kampfe -
Ich bete immer für euch

Euer

bis in den Tod getreuer, aufrichtig liebender

Lorenz

 

(Abschrift einer handschriftlichen Kopie des Briefes
im Pfarrarchiv von Ruhmannsfelden)